

Diese Serien zeigen Pflege richtig gut – und diese leider gar nicht
Medizin- und Pflegeserien begeistern das Publikum, doch wie realistisch zeigen sie den Pflegealltag? Die Darstellung in Film und TV beeinflusst, wie Pflegeberufe wahrgenommen werden – ein wichtiger Aspekt in einem Berufsfeld, das oft mit Vorurteilen und mangelnder Wertschätzung kämpft. Wir haben uns beliebte Serien genauer angesehen: Welche vermitteln ein authentisches Bild, und wo gibt es Nachholbedarf?
Serien, die Pflegeberufe realistisch zeigen
Charité
Die deutsche Erfolgsserie punktet mit historischer Genauigkeit und einer differenzierten Darstellung des Pflegepersonals. Statt Pflegekräfte nur als stille Helfer im Hintergrund zu zeigen, erhalten sie eigene Storylines und werden als wichtiger, eigenständiger Teil des Gesundheitswesens dargestellt. Die Serie macht deutlich, wie sich der Pflegeberuf über die Jahrzehnte entwickelt hat und welche Herausforderungen schon immer damit verbunden waren.
Besonders positiv: Die Pflegekräfte werden nicht nur in ihrer Arbeitsrolle gezeigt, sondern als vollständige Charaktere mit eigenen Träumen, Sorgen und Ambitionen.
In aller Freundschaft
Diese Langzeitserie hat sich über die Jahre als bodenständige und realitätsnahe Darstellung des Klinikalltags etabliert. Pflegekräfte stehen regelmäßig im Mittelpunkt der Handlung und werden nicht nur als Assistenz der Ärzteschaft gezeigt. Die Serie vermittelt die menschliche Tiefe des Pflegeberufs und zeigt, wie wichtig empathische Zuwendung neben der medizinischen Versorgung ist.
Die kontinuierliche Entwicklung der Pflegecharaktere über Jahre hinweg schafft ein authentisches Bild des Berufsalltags – mit allen Höhen und Tiefen.
The Good Doctor
Obwohl diese Serie stark auf die Ärzteschaft fokussiert ist, wird das Pflegepersonal respektvoll integriert. Die Pflegekräfte werden als kompetente Fachkräfte dargestellt, deren Expertise anerkannt und geschätzt wird. Sie sind wichtige Teammitglieder, nicht nur Befehlsempfänger.
New Amsterdam
Diese Serie zeigt vorbildlich, wie Teamarbeit im Krankenhaus funktioniert. Pflegekräfte werden als unverzichtbare Ressource im Klinikalltag dargestellt, deren Fachwissen und Erfahrung entscheidend für die Patientenversorgung sind. Die emotionale und professionelle Belastung des Pflegeberufs wird ernst genommen und authentisch vermittelt.
Serien, die Pflege einseitig oder falsch darstellen
Grey's Anatomy
Die wohl bekannteste Krankenhausserie hat ein Problem: Pflegekräfte sind oft praktisch unsichtbar oder werden nur als Randfiguren behandelt. Der Fokus liegt so stark auf den Ärzten, dass der Eindruck entsteht, diese würden alle Aufgaben im Krankenhaus selbst übernehmen. Das vermittelt ein völlig unrealistisches Bild des Klinikalltags und macht die wichtige Arbeit von Pflegefachkräften unsichtbar.
Hinzu kommt die dramatische Überzeichnung: Ständige Liebesdramen und unrealistische medizinische Szenarien haben wenig mit dem echten Arbeitsalltag zu tun.
Scrubs
Obwohl diese Serie durchaus humorvoll und unterhaltsam ist, bedient sie oft Klischees über Pflegekräfte. Die Darstellung ist stark überzeichnet und konzentriert sich hauptsächlich auf die Ärzte-Perspektive. Pflege wird häufig auf stereotype Rollen reduziert, anstatt die Vielfalt und Komplexität des Berufs zu zeigen.
Emergency Room
Diese Serie setzt stark auf Dramatisierung und Notfallmedizin. Pflegekräfte bleiben meist im Hintergrund und werden nicht als eigenständige Fachkräfte mit spezifischer Expertise gezeigt. Der hektische Notfall-Fokus lässt wenig Raum für die differenzierte Darstellung der Pflegearbeit in all ihren Facetten.
Warum das ein Problem ist
Die einseitige oder klischeehafte Darstellung von Pflegeberufen in den Medien hat reale Konsequenzen. Sie prägt nicht nur das Bild der Öffentlichkeit, sondern kann auch die Berufswahl junger Menschen beeinflussen. Wenn Pflege nur als "Assistenz" oder gar nicht sichtbar dargestellt wird, entstehen falsche Vorstellungen vom Berufsbild.
Das erschwert die so dringend benötigte Nachwuchsgewinnung erheblich. Wer würde sich für einen Beruf interessieren, der in den Medien entweder unsichtbar bleibt oder nur über Klischees definiert wird?
Dabei ist Pflege weitaus mehr als reine Assistenz: Pflegefachkräfte treffen eigenverantwortliche Entscheidungen, führen komplexe medizinische Tätigkeiten durch und sind oft die wichtigsten Bezugspersonen für Patienten und Angehörige. Diese Realität sollten Serien vermitteln – und können es auch.
Was sich ändern müsste
Um ein realistischeres Bild der Pflege zu vermitteln, braucht es grundlegende Veränderungen in der Serienlandschaft:
Mehr Pflegekräfte als Hauptfiguren: Pflegefachkräfte sollten eigene, vollständige Charakterbögen erhalten – mit echten beruflichen Herausforderungen, emotionalen Entwicklungen und persönlichen Geschichten.
Fachberatung durch Pflegekräfte: Drehbuchautoren sollten regelmäßig echte Pflegefachkräfte konsultieren, um authentische Situationen und Dialoge zu entwickeln.
Realistische Arbeitsbedingungen zeigen: Serien können durchaus die Herausforderungen des Berufs thematisieren – Personalknappheit, Zeitdruck, emotionale Belastung, aber gleichzeitig auch die Wertschätzung und Sinnhaftigkeit der Arbeit vermitteln.
Die Macht der Medien nutzen – für eine realistische Pflegedarstellung
Medienbilder prägen unsere Wahrnehmung von Berufen nachhaltiger, als uns oft bewusst ist. Gerade für die Pflege, die bereits mit vielen gesellschaftlichen Herausforderungen kämpft, sind authentische und wertschätzende Darstellungen besonders wichtig.
Einige Serien leisten bereits wertvolle Arbeit und zeigen, wie es richtig geht. Andere haben noch erheblichen Nachholbedarf. Am Ende gilt: Wer Pflegeberufe realistisch und respektvoll darstellen möchte, muss vor allem eines tun – den Pflegefachkräften selbst zuhören. Denn sie sind es, die jeden Tag erleben, was dieser wichtige Beruf wirklich bedeutet.
Ihre Geschichten, Erfahrungen und ihr Fachwissen verdienen es, authentisch erzählt zu werden – auf Augenhöhe und mit der Wertschätzung, die diesem systemrelevanten Beruf gebührt.